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bildschirmfoto-2015-04-13-um-09.29.20 Weihnachtsmusical 2019 Der Fluch (c) Mareike Ardenn

LUNA: Du willst Brim doch nicht hassen. Was ist nur los mit dir? Du führst dich wirklich wie ein verliebter Teenager auf, dessen angebetetes Objekt sich für eine andere interessiert.
LILLI: Wolltest du nicht irgendwas für deine Socken bauen?
LUNA: Ja. Eine Vitrine. Aber zunächst muss ich verhindern, dass du unserem Nachbarn Schweinsfüße oder einen Elefantenrüssel anhext.
LILLI: Ich will ihn nicht verhexen, ich will ihn verfluchen.
LUNA: Das ist gehupft wie gesprungen.
LILLI: Mein Entschluss steht fest.
LUNA: Hier steht auch, dass du eventuell nur kostbare Lebenszeit damit verschwendest, jemanden zu verfluchen.
LILLI: Aber da steht auch, dass es gut sein kann, dass die Person, die dich verletzt hat, es tatsächlich verdient hat, etwas Schlimmes zu erleben.
LUNA: Schon, aber auch, dass man sich sogar noch schlechter fühlen kann, nachdem man sich an einer anderen Person gerächt hat.
LILLI: Das ist mir egal.
LUNA: Aber hast du denn keine Angst, dass irgendetwas schief geht?
LILLI: Was soll schon schief gehen? Das ist eine Anleitung von Hexi-How für Leute, die mit Bildern mehr anfangen können als mit einem Text. Das ist bestimmt narrensicher.
LUNA: Der arme Brim. Und alles nur wegen des ekligen Fledermausschnaps.
LILLI: So arm ist Brim gar nicht. Und vergiss nicht, dass er eigentlich den Schatz von deiner Tante Hettie stehlen wollte.
LUNA: Tante Hetties Schatz. Stimmt. Aber den hatten Hänsel und Gretel ja schon mitgenommen. Es gab hier keinen Schatz. Und eigentlich war Brim nur einsam und verwirrt.
LILLI: Verwirrt ist er immer noch. Und bald auch ganz furchtbar einsam. Geh’ du ruhig und bastel’ deine Socken-Vitrine oder lies in deinen sterbenslangweiligen Kräuterbüchern oder was auch immer. Ich komm hier schon zurecht.
LUNA: Sag’ du mir nicht, was ich zu tun habe.
LILLI: Ich sage, was ich will.
LUNA: Du bist heute wirklich unausstehlich. Wenn ich’s nicht besser wüsste, würde ich sagen, du hast dich in Brim verguckt.
LILLI: Was für ein Unsinn! Da kannst du dir vielleicht eher an die eigene Nase fassen. Wer hat Brim denn schon geküsst?
LUNA: Ich hab’ ihn nur
beinahe geküsst. Weil er irgendwie mein Bruder sein wollte.
LILLI: Er wollte Brüderschaft mit dir trinken, du Dummerchen. Und da gibt man sich eben einen Kuss.
LUNA: Das hab ich damals auch schon nicht verstanden. Aber es kam ja auch nicht dazu, weil... (
sie deutet verlegen auf ihre Nase), weil..
LILLI: Hahaha.
LUNA: Ich wäre an deiner Stelle ein bisschen vorsichtiger; schließlich bist du nur meine Untermieterin.
LILLI: Ach, jetzt plötzlich bin ich nur noch deine Untermieterin? Das wird ja immer schöner!

SONG 4
LUNA:
Immer hackst du auf mir rum, bist gemein und fies!
Ärgerst mich und lachst mich aus, ganz gemein und mies!
Blätter’ ich in meinen Büchern, rollst du mit den Augen.
Und wenn ich mal etwas weiß, willst du es nicht glauben.
Nett sein kannst du immer nur, wenn du etwas brauchst,
mir ist klar, dass du als Freundin überhaupt nicht taugst!

LILLI:
Komm schon Luna, tu nicht so als wärest du so niedlich,
nett und freundlich, gut gelaunt und auch immer friedlich.
Du weißt immer alles besser, kommandierst mich rum,
geht es nicht nach deiner Nase, ja dann nimmst du’s krumm.
Nimm den Mund nur nicht so voll und schrei mich nicht an!
Denke dran, dass ich mich wehren werd’ so gut ich kann!

LUNA:
Ach, du alte Wetterhexe, glaubst du, ich hab Angst?
Dass ich alles tun werde, was du auch verlangst?
LILLI:
Was ich wirklich glauben soll, ist mir noch nicht klar,
dass du eine Ziege bist, ist bestimmt wohl wahr.
LUNA+LILLI
Hör’ bloß auf, gemein zu sein, dass lass dir nur sagen,
sonst kann ich dich nämlich nicht mehr sehr lange ertragen!


LILLI: Und jetzt lass’ mich endlich meinen Fluchglas bauen.
LUNA: Dir ist ja nicht mehr zu helfen.

LILLI starrt in den Computer und macht sich Notizen, LUNA werkelt wieder an der Vitrine herum (Säge).

LILLI: Drachenschuppen und Schrumpelfeigen haben wir vorrätig, oder?
LUNA: Du meinst wohl, ob ich diese beiden kostbaren Zaubertrank-Zutaten in meinem überaus gut sortierten Kräuterschrank habe. Ja, ich glaube schon.
LILLI: Super. Und Rattenmilz? Wellhornschnecken und... warte... Salamanderblut?
LUNA: Ja und ja und ja. Aber diese Dinge sind alle furchtbar schwer zu bekommen und darum hüte ich sie wie meinen Augapfel.
LILLI: Wozu hat man diese Zutaten, wenn man sie dann nicht benutzt?
LUNA: Man benutzt sie ja vielleicht. Aber nicht einfach leichtfertig für irgendeinen dämlichen Fluch.
LILLI: Ich kann mir eigentlich keinen besseren Verwendungszweck vorstellen.
LUNA: Ich schon. Und wer sagt denn, dass ich dir diese Dinge überlasse.
LILLI: Da vertraue ich ganz auf dein gutes Herz.
LUNA: Wenn du dich da mal nicht täuschst.
LILLI: Und irgendwo habe ich noch...
(sie fängt an zu kramen) wo ist es denn nur..
LUNA: Was suchst du denn?
LILLI: Ich habe hier irgendwo noch ein Schutzamulett der Wetterhexen. Von meiner Wetterhexen-Abschluss-Prüfung.
(sie zieht eine Sonne an einer Kette hervor) Ha, da ist es ja.
LUNA: Also, du schützt dich mit einem Amulett und was ist mit mir?
LILLI: Über den Schutz von Vermieterinnen steht hier leider rein gar nichts.
LUNA: Ich finde es einfach nicht gut, dass du Brim verfluchen willst.
LILLI: Das hast du jetzt oft genug gesagt. Aber was willst du dagegen tun? Du kannst gar nichts tun.
LUNA: Doch! Kann ich. Ich gebe dir keine einzige Zutat aus meinem Kräuterschrank. Ganz einfach.
LILLI (
äfft LUNA nach): Ich gebe dir keine einzige Zutat aus meinem Kräuterschrank... mimimimimi.
LUNA: Da kannst du lange schimpfen. Ich geb’ dir keine einzige Zutat und dabei bleibt’s. Und jetzt muss ich mir noch mehr Holz holen, irgendwie komm ich hier mit meiner Vitrine nicht voran.

LUNA ab.

LILLI: Phh, ist mir doch egal, wenn du mir keine einzige Zutat gibst. Dann nehme ich sie mir eben einfach. Nur schnell muss es jetzt gehen, bevor Luna mit ihrem Holz zurückkommt. Vitrine für antike Socken. Was für ein Blödsinn!

LILLI mit ihren Notizen in die Küche. Sucht die Zutaten zusammen. Freier Text nach Zettel. Sie findet eine Chipsdose und öffnet sie Scherzartikel. Lautes Geschrei.

LILLI: Hoffentlich hat Luna das nicht gehört.

LILLI sammelt weiter die Zutaten, vergleicht mit der Liste usw.

LILLI: Hab’ ich jetzt alles? Das Fluchglas, abgewaschen und an der Luft getrocknet, damit keine Fusseln ins Glas kommen. Das Püppchen, das Brim symbolisiert. Und es sieht ihm sogar ähnlich! Gut so.
(sie schaut auf ihre Liste) Fingernägel des Opfers? Iiiiiihhh, nee, das muss ohne gehen. Auf Urin und Friedhofserde verzichte ich auch. Glauben die etwa, dass ich in dieses Glas pinkele? Dann noch Rattenmilz, Wellhornschnecken und Salamanderblut. (Sie schaut dabei LUNAS Gläser durch.) Wo ist die Schrumpelfeige? Ah hier... oh nein, das Glas ist leer. Was jetzt? Hmmm, mal sehen... hier hat sie noch Stinkmorchel und getrockneten Fliegenpilz. Ich nehm’ den Fliegenpilz, das macht sicher nichts. Und jetzt noch eine Drachenschuppe. (Sie nimmt ein Glas in dem etwas leuchtet.) Mist. Das ist die letzte Drachenschuppe. Das könnte Luna merken. (Sie zögert.) Na, egal. Ich brauche diese Drachenschuppe einfach. Und jetzt geht’s los.

Das Licht wird blau und dunkel.

SONG 5
(sehr gruselig!)
LILLI:
Rattenmilz und Wellhornschnecke,
alles Böse und noch mehr,
kommt mit dieser kleinen Puppe
jetzt ins Glas, noch ist es leer.
Doch mein Fluch, so groß und mächtig,
wird es bald bis oben füllen,
und auch diese Drachenschuppe
kann die Absicht nicht verhüllen.
Will Brim knechten, will ihm schaden,
will, dass er für immer schweigt,
will, dass er bereut und leidet,
und für Rache ist jetzt Zeit.
Muss an alles Schlimme denken,
was ihm widerfahren soll,
muss meine Gedanken lenken
voller Zorn und Hass und Groll.
In das Glas nun mit der Puppe,
die soll Brim sein, wie man sieht,
und zum Schluss die Drachenschuppe,
alles miteinander zieht,
alles Böse nun zusammen
könnt ihr’s fühlen, könnt ihr’ schmecken,
wie wir nun die Geister wecken.
Alle wütenden Gedanken,
alles was mich je verletzt.
Weise ich nun in die Schranken,
hoffe sehr, du bist entsetzt,
denn jetzt fülle ich das Glas hier,
negative Energie,
fließt hinein und wird dich treffen,
glaub’ mir, ich bereue nie!

Ein Schrei ertönt. LILLI, die das Glas während des Songs verschlossen und geschüttelt hat, sieht sich panisch um.