Salon Haarmonie
Großmann&Großmann

GEMMA betritt den Laden, ist für die anderen unsichtbar. Sie holt aus Ihrem weiten Mantel eine übergroße Schere und sucht nach einem Versteck dafür. Der Song geht weiter.

Haa-, Haa-, Haa-, Haa-, Haarmonie, Schere, Kamm und Farbe.
Haarmonie, was für eine Gabe.
Schon geht’s los, auf in diesen Laden.
Yeah, yeah, yeah, yeah, yeah ah.

GEMMA ab. Die anderen erwachen aus dem Freeze. Ronja liest Zeitung.

RONJA:
liest aus der aktuellen Zeitung Schlagzeilen vor...
RICA (kämmt die Kundin das letzte Mal): Fertig.
KUNDIN (
besieht ihre Regenbogenfrisur im Spiegel): Wunderbar. Vielen Dank!
RICA: Bitte zahlen Sie bei meiner Schwester Ronja.
KUNDIN: Wie immer!
RICA: Auf Wiedersehen.

Die KUNDIN zahlt bei RONJA und ab. ROBINA erscheint.

ROBINA: Guten Morgen.
RONJA: Was heißt hier guten Morgen? Ich schließ’ den Laden gleich wieder zu. Ist es zu viel verlangt, dass du einmal im Leben pünktlich zur Arbeit kommst?
ROBINA: Einmal würde dir sowieso nicht reichen. Und es ist ja nicht so, dass sich die Kundinnen stapeln.
RICA: Wo sie Recht hat...

SONG 2
RONJA:
(
rezitativ) Ich geh’
morgens gern zur Arbeit.
Und das war schon immer so.
Der Tag liegt vor mir, ich geb’ alles, weil ich’s gerne tu.

(gesprochener Einwurf) Erzähl’s uns, Ronja.

(
rezitativ) Und dann läuft es so:

(in time)
Du bist im Laden,
alles ist bereit,
im Laden,
jede Kleinigkeit
im Laden,
für ’ne Ewigkeit
und dann wartest du
in deinem Laden, in deinem Laden.

Du bist im Laden,
und bist kreativ,
im Laden,
bist du intensiv,
im Laden,
bist du sensitiv
und dann wartest du
in deinem Laden.

Ist es wirklich das, was ich mir erträumt?
Oder hab’ ich andere Chancen dumm versäumt?
Waschen, schneiden, föhnen, soll das alles sein?
Fallen mir da nicht noch andre Dinge ein?
Haare schneiden wollt’ ich, ja, das ist korrekt.
Und ich weiß mein Leben, das ist nicht perfekt.
Trotzdem möcht’ ich mehr und das ist nicht verkehrt,
denn meine Träume sind viel Wert!

ROBINA:
Du willst im Laden
wirklich glücklich sein,
im Laden
dich des Lebens freuen
im Laden,
keine Arbeit scheuen
deshalb stehst du da
in deinem Laden, in deinem Laden.
In deinem Laden, in deinem Laden.

RICA:
Pink
meine Lieblingsfarbe ist Pink,
und die mische ich fingerflink,
denn ich liebe nun einmal Pink,
kann’s nicht ändern,
oh, natürlich liebe ich hellblau, grün und türkis, jedoch orange
finde ich fies, doch wenn’ sein muss, dann kriegt jeder das, was er braucht,
rot oder blau und schwarz kann ich auch oder gelb.

Du bist im Laden
in deinem Element,
im Laden,
wo dich jeder kennt,
der Laden,
ist, wofür du brennst
deshalb stehst du da
in deinem Laden.

Und ich hoff’, unser Laden bleibt nicht so klein,
denn ich weiß ganz genau, er könnt’ viel mehr sein,
jeden Tag fallen mir hundert Sachen ein,
knallbunt, neu und verrückt und fantastisch.

Irgendwann ist der Laden dann nicht mehr klein,
und wir werden zufrieden und glücklich sein,
können alle zusammen im Laden sein,
und das Beste draus machen, ganz sicher!

Los, kommt mit, seid dabei, das wird wunderschön,
wenn wir alle zusammen im Laden stehen,
ich kann unsere rosige Zukunft sehen,
wenn wir alle zusammen im Laden stehen,
kann ich unsere rosige Zukunft sehen,
Los, kommt mit, seid dabei, das wird wunderschön,
wenn wir alle zusammen im Laden stehen.

RICA, RONJA und ROBINA gehen zurück an die Arbeit. Eventuelle Passanten machen ebenfalls die Bühne frei. RICA, RONJA und ROBINA warten auf Kundschaft. Das Klavier deutet Uhrenticken an. Alle drei ändern mehrmals ihre Position. KUNDIN 2 kommt zur Ladentür, alle machen sich bereit.

KUNDIN 2: Entschuldigen Sie bitte, ich suche den Friseursalon „Zur flotten Locke“...?
RONJA: Wie bitte?
KUNDIN 2: „Zur flotten Locke“...?
RONJA: Raus!

KUNDIN 2 erschrocken ab.

RICA: Das wäre jetzt nicht nötig gewesen.
RONJA: Oh doch. Wenn nicht bald was passiert, dann nützen uns deine Regenbogenfrisuren auch nichts mehr. Dann sind wir pleite!
ROBINA: Abwarten. Lasst uns aufräumen und Schluss machen.

RICA, RONJA und ROBINA räumen auf. RICA findet die Schere.

RICA: Seht mal. Hat einer von euch die Schere hierher gelegt? So etwas habe ich noch nie gesehen.

RONJA und ROBINA verneinen, die Schere mit in den Laden gebracht zu haben. Sie betrachten die Schere ausgiebig. KUNDIN 3 betritt den Laden.

KUNDIN 3: Du meine Güte. Was für eine außergewöhnliche Schere. Woher haben Sie die?

Alle im Laden im Freeze. GEMMA erscheint.

SONG 3 (wie 1)
Lange suchte ich nach diesem Ort
und ich fand ihn hier.
(wie gut, wie gut, wie gut).
Alles wird, wie ich es haben will, ich geh’ nicht mehr fort.
(Yeah, yeah, yeah.)
Wartet’s ab, ihr werdet es schon sehen, ich krieg’, was ich will.
Und darum, kam ich her, kam her in diesen Laden,
will es haben, muss es einfach haben,
ganz egal, was alle andren sagen, ich krie—ie—gs. (analog „los“ in Song 1)

Haa-, Haa-, Haa-, Haarmonie, Schere, Kamm und Farbe.
Haarmonie, was für eine Gabe.
Schon geht’s los, auf in diesen Laden.
Yeah, yeah, yeah, yeah, yeah ah.


KUNDIN 3: Wie dem auch sei. Diese Schere ist wirklich außergewöhnlich! Warum präsentieren Sie die nicht im Schaufenster? Und wenn ich schon mal hier, kann ich mir ja auch die Haare schneiden lassen.

Sie setzt sich und wird von ROBINA bedient. RICA stellt die Schere ins Schaufenster. Viele Kundinnen kommen und gehen. Musik von SONG 1 ohne Gesang. Am Ende des Tages verlassen alle Kundinnen den Laden. RICA und RONJA und ROBINA sind erschöpft.

To be continued.....